Martin Vorwerk

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8 Pflanzen


black toner and

2-colour screenprint

on 90gr BioTOP and

60gr semitransparent paper,

13x19cm, 32 pages, banderole,

hand bound, edition of 15,

2009

Vorwort

Die Senken und Brüche unserer Region, die von geografischer sowie mineralogischer Besonderheit geprägt sind, haben in den letzten hundert Jahren eine spürbare Veränderung erfahren. Durch das Aussterben einer ehemals gepflegten Spaziergangskultur in das natürliche Umland, gerieten Steinbrüche, Senken und Täler innerhalb von kleineren Höhenzügen  zunehmend in Vergessenheit. So konnten sich diese ungehindert zu natürlichen Biotopen entwickeln, die eine Vielzahl bisher unbeachteter Pflanzenarten beherbergen.

Acht Vertreter davon möchte dieses Heft vorstellen und dabei nicht nur für die kulinarische Verwendung, sondern vor allem auch für deren Schönheit und Einzigartigkeit sensibilisieren.

Book about eight fictitious plants - presented via text and two colour screenprints.

 

 

Exhibited in:

 

> Klingspor Museum Offenbach, Germany

> Trois Gallery, Atlanta, USA

 

Published in:

 

> »No Translation Required –

  Artist´s Books in Germany/Georgia«,

  Savannah College of Art

e.g.

 

PLOCKENDER FLÖTERICH

flotatio plomatum

»Dieser mannshohe flotatio plomatum ist eine zweigeschlechtliche Pflanze, bei der sich Männchen und Weibchen zwar deutlich von einander unterscheiden, der Flöterich aber seinen eigentlichen Namen erst durch das bestäubte Weibchen erhält.

Im frühen September bildet das Weibchen an den Blattachsen roséfarbene Blüten aus, die von den zeitgleich gebildeten azurblauen Samenfäden der Männchen bestäubt werden. Die daraufhin am Weibchen wachsenden Früchte zeichnen sich durch einen purpurfarbenen Pelz aus. Diese in einer Gemeinschaft von bis zu zwölf nebeneinander hängenden Früchte bilden so gewisse Plocken, die dem befruchtetem Weibchen ein beerenhaftes Aussehen verleihen.

Werden die herzhaft bissfesten Plocken nicht von Rehen, Füchsen oder dem Menschen verspeist, findet ein innerer Gährungsprozess statt, der einen Überdruck in der Frucht erzeugt. Die flötende Oktoberwespe weiß um den betörenden Rausch, welcher der Frucht innewohnt und sticht diese an, um an den vergährten Fruchtsaft zu gelangen. Der dabei entweichende Überdruck erzeugt das der Pflanze ihren Namen gebende, flötende Geräusch, das sich an stimmungsvollen Oktobermorgenden zu polyphonen Flötensonaten zu steigern vermag.«

 

m.v.

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